Pumpen, Praxis und Potenzial – ein Netzwerktag mit Tiefgang
Die Rudolf Ölz Meisterbäcker GmbH & Co KG gewährte dem Netzwerk an diesem Tag einen seltenen Einblick hinter die Kulissen einer hochautomatisierten Lebensmittelproduktion. Geschäftsführer Walter Maurer führte in die Geschichte und Philosophie des Unternehmens ein – von den Anfängen 1938 bis zur heutigen Produktion von Toastbrot und Zopf unter Reinraumbedingungen, ohne Konservierungsstoffe, mit einer konsequenten Orientierung an regionalen Rohstoffen. Dass Ölz seinen CSRD-Bericht aus eigener Motivation erstellt und zahlreiche Maßnahmen zur Reduktion des Carbon Footprint umsetzt, machte deutlich: Nachhaltigkeit ist hier kein Marketingbegriff, sondern gelebte Unternehmenskultur.
Die anschließende Betriebsführung durch Produktion und Energiezentrale ließ Energieeffizienz buchstäblich erlebbar werden. Durchdachte Systeme zur Wärmerückgewinnung aus den Backöfen, geregelte Kälteerzeugung und eine Lüftungsinfrastruktur, die höchste Hygienestandards mit Energieeffizienz verbindet – der Betrieb lieferte reichlich Gesprächsstoff.
Im Marktplatz der Maßnahmen präsentierten zehn Unternehmen aus dem Netzwerk ihre aktuellen Effizienzprojekte – von Photovoltaik über Druckluftoptimierung und Beleuchtungssanierung bis hin zur Wärmerückgewinnung aus Prozessabluft und der Modernisierung von Heizsystemen. Die Bandbreite der Ansätze zeigte eindrücklich, wie vielschichtig der Weg zur klimaneutralen Produktion ist – und wie viel wertvolles Wissen bereits im Netzwerk vorhanden ist.
Den fachlichen Schwerpunkt setzte Ing. Gerhard Rauch von Wilo Österreich mit einem fundierten Vortrag zu Hydraulik und Pumpen. Die zentrale Botschaft war überraschend klar: In den meisten Industriebetrieben schlummern in der Pumpenversorgung erhebliche Einsparpotenziale – nicht, weil die Technik fehlt, sondern weil Pumpen schlicht zu groß dimensioniert sind. Wer den Volumenstrom einer überdimensionierten Pumpe halbiert, reduziert deren Leistungsaufnahme auf etwa ein Fünftel. Stromkosteneinsparungen von 70 bis 80 Prozent sind in der Praxis keine Ausnahme – und an der Wärme- oder Kälteabgabe ändert sich dabei kaum etwas. Ergänzt durch Hinweise zu drehzahlgeregelten Pumpen, hydraulischem Abgleich und hocheffizienten Antriebsmotoren bot der Vortrag ein vollständiges Bild der Optimierungsmöglichkeiten im Pumpenbereich.
Monitoring-Ergebnisse 2022–2025: Ziele auf Kurs
Ein besonderer Moment des Tages war die Präsentation der aktuellen Monitoring-Ergebnisse, die durch die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft präsentiert wurde. Die Zahlen sprechen für sich:
21 GWh |
Endenergie eingespart(Ziel bis Ende 2026) |
−5.599 t CO₂ |
Emissionen reduziert -11 %(Ziel: −10 %) |
2.546 MWh/a |
Zubau Erneuerbare75 % des Ziels erreicht |
Das CO₂-Ziel wurde bereits übertroffen, der Ausbau erneuerbarer Energien liegt auf Kurs. Diese Zahlen sind kein Selbstzweck – sie belegen, dass koordiniertes Handeln im Netzwerk messbar wirkt. Jede Maßnahme, die ein Unternehmen umsetzt, trägt zu einem gemeinsamen Ergebnis bei.
Das nächste Netzwerktreffen widmet sich dem Thema „Lüftungsanlagen und Filter“ – ein Feld, das technisch eng mit dem heutigen Thema verknüpft ist und erfahrungsgemäß ähnlich viele ungehobene Potenziale birgt.